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Philip Ney

Politik und Digitalisierung
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Schluss mit BIM-Mythen

Bei der digitalen Entwicklung der Baubranche fällt oft das Stichwort BIM. In einem Gastbeitrag für die „Bau im Blick“ will das Mitgliedsunternehmen Kondor Wessels mit Mythen aufräumen und Vorteile aufzeigen.

  • Die sogenannte vierte industrielle Revolution durchdringt alle Branchen und betrifft auch ganz klassische Industriezweige wie die Bauwirtschaft in ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Dabei spielt Building Information Modeling, kurz BIM, eine zentrale Rolle.
  • Für die Bauindustrie ist sie das entscheidende Instrument, Fehler im Planungs- und Bauprozess zu vermeiden und den Informationsaustausch zwischen Projektbeteiligten zu verbessern.
  • Die vielfältigen Vorteile, wie u. a. die unmittelbare Verfügbarkeit aller Daten, die Produktivitätssteigerung des Planungs- und Bauprozesses hinsichtlich Kosten, Terminen und Qualität sowie die kontinuierliche Datenaufbereitung während des gesamten Lebenszyklus, sind hinreichend bekannt.
  • Bis es allerdings zu einer vollumfänglichen Anwendung des Building Information Modelings (BIM) kommen kann, muss zum einen ein Umdenken in Bezug auf Prozesse, Transparenz, Fehlerkultur und Zusammenarbeit erfolgen. Zum anderen müssen neue rechtliche Konzepte auf Seiten der öffentlichen Hand erarbeitet werden, wie Mike Daugardt und Matthias Bergmann, verantwortlich für die Leitung BIM in der Kondor Wessels Gruppe, in einem Gespräch zusammenfassen.

Klarheit schaffen

Für eine erfolgreiche Anwendung geht es in erster Linie darum, zu verstehen, was BIM nicht bedeutet. Nur so werden falsche Erwartungen und damit die falsche Herangehensweise korrigiert.

So ist BIM erstens nicht die 3D-Planung und Visualisierung eines Gebäudes. In Fachkreisen ist das bloße Rotieren eines 3D Gebäudes als Hollywood-BIM verschrien und als „Eye-Candy“ sicherlich nett anzusehen, bringt aber die wesentlichen Vorteile nicht zum Ausdruck.

Folglich beschreibt BIM zweitens keine Software, sondern einen Prozess, der durch unterschiedliche Programme in den einzelnen Bereichen unterstützt wird. Außerdem sollten die internen Prozesse drittens eben nicht allein an ein Programm angepasst werden. Vielmehr muss man sich der eigenen Prozesse bewusst werden und diese potenziell überdenken, bevor es zu einer Entscheidung für eine Software kommt. Bestenfalls werden Angebote von Softwareherstellern eingeholt und mit den Vor- und Nachteilen für den eigenen Prozess verglichen.

Viertens ist BIM nicht gleich BIM. Da keine allgemein anerkannte Definition des Building Information Modelings existiert, versteht darunter naturgemäß jeder etwas anderes. So kommt es bereits in der Ausschreibung zwischen Auftraggeber und -nehmer zu Missverständnissen, die sich schlimmstenfalls durch den gesamten Bauprozess ziehen. Daher gilt es, im Vorfeld einen Klärungsprozess mit allen Projektbeteiligten zu starten, in dem detailliert definiert und erläutert wird, was genau BIM für das Bauteam eines bestimmten  Projektes bedeutet und worauf das gemeinsame Verständnis gründet.

Die Vorteile von BIM verstehen und richtig anwenden

BIM ist ein datenbasierter Prozess, der die Zusammenarbeit der Projektbeteiligten vereinfachen soll. Vordergründiges Ziel ist es, den üblichen Informationsverlust in den einzelnen Projektphasen zu vermeiden. Vielmehr sollen Daten einmalig generiert und fortgeschrieben werden, sodass der Informationsstand kontinuierlich wächst.

Dabei steht die Transparenz im Mittelpunkt und macht die Frage der sozialen Zusammenarbeit wichtiger denn je. In der konventionellen Planung denkt jeder für sich: Planer, Architekt, Unternehmen. Die Synergieeffekte von BIM können nur vollumfänglich ausgenutzt werden, wenn die Projektbeteiligten so früh wie möglich gemeinsam zusammenarbeiten. Diese konzipieren, planen und entwickeln das Projekt gemeinsam. Wichtig ist dabei die Entwicklung einer einheitlichen Sprache, die es in Deutschland aufgrund eines Mangels an Normierung und einheitlicher Definition noch nicht gibt. So kann beispielsweise die Kalksandsteinwand bei dem Planer als „KS-Wand“ und bei Unternehmen als „KSW“ bezeichnet werden. Missverständnisse sind hierdurch vorprogrammiert. Die Stärke von BIM liegt daher auch in der Erfassung und Darstellung kleiner Informationsdetails, die in einem konventionellen Planungsprozess aus scheinbarem Mangel an Relevanz unbeachtet blieben, aber für das gemeinsame Verständnis des Bauteams und vor allem für das Verständnis der einzelnen (fremden) Bereiche erfolgsentscheidend sind.

Politische Rahmenbedingungen schaffen

Entscheidend ist, dass diese Bemühungen politisch flankiert werden. Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat die stufenweise Einführung von BIM vorgeschrieben und dadurch ein Zeichen für Unternehmen und die öffentliche Hand gesetzt. Damit eine erfolgreiche Digitalisierung im Bereich Bauen eingeleitet werden kann, müssen Fristen sowie Vorgaben für die Einführung von BIM definiert werden. Dafür sind regionale Pilotprojekte, die von Beginn der Planung, über die Umsetzung sowie die finale Unterhaltung des Objektes mit BIM realisiert werden, zu identifizieren und umzusetzen.

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