In Schneeberg werden Helden ausgebildet
Frau Wäntig, wie begeistert man junge Menschen im Erzgebirge für die Bauwirtschaft?
Stefanie Wäntig: Das gelingt durch viele kleine, aber entscheidende Bausteine. In einer ländlichen Region ist die Nachwuchsgewinnung ein sehr persönliches Geschäft. Ich bin regelmäßig in Schulen unterwegs, vertrete unser Unternehmen auf Ausbildungs- und Heimkehrermessen und biete Praktika sowie Ferienjobs an. Man muss sich einen Namen in der Region machen. Zusätzlich engagieren wir uns als Trikotsponsor einer Fußballmannschaft. Gerade in einer Region, die eher vom Wegzug geprägt ist, ist es wichtig, aktiv auf junge Menschen zuzugehen. Dabei spielt nicht nur die Ausbildung der Jugendlichen eine Rolle – auch ihre Eltern müssen überzeugt werden. Sie haben erheblichen Einfluss auf die Zukunftsplanung ihrer Kinder. Besonders in unserem Gewerk, wo Blockunterricht und Internatsunterbringung Teil der Ausbildung ist, braucht es Aufklärung und Vertrauen.
Wie hoch ist der Bedarf an Azubis bei Ihnen? Verabschieden Sie die Babyboomer langsam in den wohlverdienten Ruhestand?
Stefanie Wäntig: Wir streben jedes Jahr an, drei Auszubildende für unser Unternehmen zu gewinnen. Dies gelingt uns meist gut, auch wenn die Corona-Pandemie in den letzten Jahren die »Ausbeute« etwas verringert hat. Unsere Belegschaft ist derzeit etwa hälftig aufgeteilt: Die eine Hälfte ist um die 50 und die andere Hälfte um die 20 Jahre alt. Diese Mischung ergänzt sich gut. Die erfahreneren Mitarbeiter geben ihr Wissen an die Jüngeren weiter – sowohl fachlich als auch in Bezug auf das Miteinander im Betrieb. Das stärkt den Teamgeist und sichert eine nachhaltige Weitergabe unseres Know-hows..
Führt die Mannschaft auch Montagefahrten durch?
Stefanie Wäntig: Vor 15 Jahren waren Montageeinsätze bei uns die Regel. Das habe ich bewusst geändert. Unser Fokus liegt heute darauf, in der Region präsent zu sein und den Mitarbeitern zu ermöglichen, jeden Abend zuhause zu schlafen. Dadurch haben wir auch kleinere Aufträge angenommen, die uns bei privaten Kunden bekannter gemacht haben. Unsere Leistung und Zuverlässigkeit haben sich herumgesprochen – das hat uns besonders in der Corona-Pandemie geholfen.
Die Baupraxis prägt und verbessert auch die Leistungen Ihrer Azubis in den Prüfungen. Sie haben ja mittlerweile den deutschen Vizenachwuchsmeister im Trockenbau in Ihren Reihen. Wie fühlt sich das als Chefin an?
Stefanie Wäntig: Das ist wirklich ein großartiger Erfolg – und die Anerkennung gebührt vor allem unserem frisch ausgelernten Gesellen Florian Noack. Er hat sich im Wettbewerb gegen starke Konkurrenz durchgesetzt und sein handwerkliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Erzählen Sie mir etwas zum Wettbewerb AUSBAU HELD.
Stefanie Wäntig: Der Wettbewerb AUSBAU HELD ist die deutsche Nachwuchsmeisterschaft der Trockenbaumonteure und findet seit 12 Jahren im Ausbildungszentrum Hamm in Nordrhein-Westfalen statt. Veranstaltet wird er von der Bundesfachabteilung Ausbau und Trockenbau des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), in deren Vorstand ich mitarbeite. Ziel ist es, den Beruf des Trockenbauers bekannter und attraktiver zu machen und vor allem das Image des Trockenbaumonteurs zu verbessern. Der Wettbewerb wächst stetig und gewinnt Jahr für Jahr an Bekanntheit.
Was muss vor Ort gemacht werden?
Stefanie Wäntig: Es handelt sich um einen praktischen Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer - ähnlich wie in der Gesellenprüfung – eine vorgegebene Trockenbaukonstruktion herstellen müssen. Bewertet werden verschiedenste Kriterien wie Maßhaltigkeit, Arbeitsgeschwindigkeit, Sauberkeit am Arbeitsplatz und Arbeitsschutz. Unser Florian Noack konnte vor allem durch seine hohe Maßhaltigkeit punkten und sicherte sich damit den zweiten Platz.
Was bekommen die glücklichen Gewinner?
Stefanie Wäntig: Der Erstplatzierte erhält ein vollständiges Meisterstipendium für die Ausbildung zum Trockenbaumeister, der Zweitplatzierte – in diesem Fall Florian – ein halbes Meisterstipendium, und der Dritte immerhin noch ein Viertel-Stipendium. Alle weiteren Teilnehmer erhalten Sachpreise wie Maschinen und Werkzeuge.
Das heißt, Florian drückt bald wieder die Schulbank?
Stefanie Wäntig: Florian kam mit einem Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse zu uns und hat nun mit gerade einmal 19 Jahren seinen Gesellenbrief in der Tasche. Ich denke, dass er sich bis zur Ausbildung zum Trockenbaumeister noch etwas Zeit lassen wird – aber sein Erfolg im Wettbewerb gegen deutlich ältere Teilnehmer zeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Das gibt ihm sicherlich Rückenwind für seine weitere berufliche Laufbahn.
Dafür drücken wir die Daumen. Vielen Dank für das
Gespräch.
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