Ostdeutsche Baukonjunktur: Baunachfrage ist hoch
Im Zeitraum Januar bis Juni 2026 registrierte das ostdeutsche Bauhauptgewerbe beim Umsatz zwar nur einen nominalen Zuwachs, beim Auftragseingang jedoch auch ein deutliches reales Plus. „Am Ende des ersten Halbjahres 2026 verzeichneten die Bauunternehmen insgesamt eine stabilere Nachfrageentwicklung als im Vorjahr, was vor allem auf erste Umsetzungsmaßnahmen aus den Mitteln des Sondervermögens zurückzuführen war“, erklärte Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost e. V. (BIVO) nach Bekanntgabe der Juniergebnisse im Bauhauptgewerbe für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten durch das Statistische Bundesamt.
Auftragseingang: Gesamtnachfrage nach Bauleistungen steigt im Vorjahresvergleich an
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 summierte sich das Gesamtauftragsvolumen im ostdeutschen Bauhauptgewerbe auf knapp 12,0 Milliarden Euro. Verglichen mit der Vorjahresperiode bedeutete dies ein nominales Plus von 11,1 Prozent sowie einen realen Zuwachs von 6,0 Prozent. Eine besonders starke Dynamik zeigte der Öffentliche Bau. Hier kletterte das Auftragsvolumen nominal um 22,0 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, wobei der Straßenbau einen Zuwachs von 13,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro aufwies. Starke Zugewinne verbuchte auch der Wohnungsbau, in dem die Aufträge nominal um 19,5 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro anstiegen. Im Wirtschaftsbau erhöhten sich die Bestellungen hingegen nominal nur um 1,0 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro, was im Vorjahresvergleich ein reales Minus ergab. Zum Halbjahresergebnis erklärte Momberg, dass „zwar alle Bausparten nominal im Plus liegen, die Dynamik jedoch extrem unterschiedlich ausfällt und der momentan zurückhaltende Wirtschaftsbau eine breite Erholung bremst“.
Umsatz: Erlöse der Unternehmen legen insgesamt nur nominal zu
Das ostdeutsche Bauhauptgewerbe erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2026 Umsatzerlöse von rund 10,2 Milliarden Euro. Dies entsprach einer nominalen Steigerung von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, preisbereinigt bedeutete dies jedoch ein Minus von 1,3 Prozent. Ein nominales Umsatzplus von 6,5 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro verzeichnete der Wirtschaftsbau. Zuwächse wies auch der Öffentliche Bau auf, der Umsätze von 3,6 Milliarden Euro erzielte, was nominal ein Plus von 3,7 Prozent darstellte. Darunter stiegen die Umsätze im Straßenbau auf 1,5 Milliarden Euro an, was einem nominalen Zuwachs von 3,4 Prozent entsprach. Am schwächsten entwickelte sich das Ergebnis im Wohnungsbau, in dem die Umsätze mit 1,7 Milliarden Euro nominal um 2,7 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025 lagen. Momberg bemerkte zur Umsatzentwicklung, „die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Gesamtumsatz nominal zwar solide zugelegt hat, der anhaltende reale Rückgang sowie die Verluste im Wohnungsbau die Baukonjunktur jedoch weiterhin spürbar belasten“.
Verbandsgebiet Ergebnisse 1. Halbjahr 2026
Berlin
Gesamtauftragseingang wächst real deutlich
Gesamtumsatz geht real spürbar zurück
Zahl der Beschäftigten leicht unter Vorjahresniveau (-0,4 %)
Das Bauhauptgewerbe in Berlin verbuchte in den ersten sechs Monaten 2026 ein sehr kräftiges Wachstum beim Bestelleingang. Das Auftragsvolumen von knapp 2,6 Milliarden Euro übertraf den Vorjahreswert nominal um 44,7 Prozent und preisbereinigt um 39,4 Prozent. Besonders stark entwickelte sich der Wohnungsbau, in dem die Neuaufträge einen Wert von 967,5 Millionen Euro erreichten, was eine nominale Steigerung um 55,0 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode von 2025 bedeutete. Zur positiven Gesamtdynamik trug auch die öffentliche Hand bei, da das Ordervolumen 590,2 Millionen Euro erreichte und damit nominal um 40,3 Prozent über dem Ergebnis von 2025 lag. Innerhalb dieses Segments kletterte der Straßenbau um 7,7 Prozent auf 197,1 Millionen Euro. Der Wirtschaftsbau schloss das erste Halbjahr 2026 mit einem Bestellaufkommen von 1,0 Milliarden Euro ab, womit der Vorjahreswert nominal um 38,4 Prozent übertroffen wurde.
Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete das Berliner Bauhauptgewerbe Gesamteinnahmen von ca. 1,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Vorjahresperiode ergab sich daraus ein nominaler Rückgang von 9,6 Prozent. Preisbereinigt verschlechterte sich das Ergebnis um 14,9 Prozent. Den stärksten Einnahmerückgang verzeichnete der Wirtschaftsbau, dessen Umsätze auf 578,8 Millionen Euro sanken und damit nominal 18,5 Prozent unter dem Vorjahr rangierten. Der Umsatz im Wohnungsbau gab um 5,8 Prozent nach und fiel auf 705,7 Millionen Euro. Der Öffentliche Bau bilanzierte Einnahmen von 480,4 Millionen Euro und verfehlte damit den Vergleichswert von 2025 nominal um 2,4 Prozent. Beim Straßenbau fiel dabei das Minus noch stärker aus. Mit 151,1 Millionen Euro lagen die Erlöse hier nominal um 10,4 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025.
Brandenburg
Gesamtauftragseingang mit hohem realen Rückgang
Gesamtumsatz wächst real erheblich
Zahl der Beschäftigten steigt (+3,3 %)
Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe von Brandenburg belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf 2,1 Milliarden Euro und lag damit nominal um 12,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau, während das reale Minus 18,4 Prozent betrug. Den kräftigsten Nachfrageeinbruch erlebte der Wirtschaftsbau, dessen Ordervolumen mit 1,1 Milliarden Euro nominal um 22,2 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2025 lag. Der Öffentliche Bau verbuchte ein Ergebnis von 724,1 Millionen Euro, was ein nominales Minus von 0,4 Prozent zum Vorjahr bedeutete. Dabei verringerte sich der Straßenbau um nominal 19,7 Prozent auf 308,9 Millionen Euro. Im Wohnungsbau kletterte das Auftragsaufkommen dagegen nominal um 8,0 Prozent auf 295,1 Millionen Euro.
Von Januar bis Juni 2026 erwirtschaftete das brandenburgische Bauhauptgewerbe Erlöse von 2,2 Milliarden Euro, was nominal eine Steigerung in Relation zum Vorjahreszeitraum um 32,8 Prozent darstellte, preisbereinigt um 26,6 Prozent. Die Gesamtentwicklung wurde maßgeblich vom Wirtschaftsbau geprägt, wo die Einnahmen nominal um 64,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro anstiegen. Ein dynamisches Wachstum wies auch der Öffentliche Bau auf, dessen Umsatz sich nominal um 23,1 Prozent auf 647,4 Millionen Euro erhöhte. Innerhalb dieses Segments verbuchte der Straßenbau jedoch ein nominales Minus von 1,0 Prozent und verringerte sich gegenüber 2025 auf 261,0 Millionen Euro. Im Bereich des Wohnungsbaus ging der Umsatz um nominal 15,4 Prozent auf 328,5 Millionen Euro zurück.
Sachsen
Auftragseingang gesamt stagniert real
Gesamtumsatz real unter Vorjahreszeitraum
Zahl der Beschäftigten steigt leicht (+0,6 %)
Das sächsische Bauhauptgewerbe registrierte im ersten Halbjahr 2026 ein Gesamtauftragsvolumen von 3,4 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach dies einer Steigerung um nominal 4,2 Prozent, aber preisbereinigt um lediglich 0,1 Prozent. Das stabile Gesamtresultat beruhte ausschließlich auf der dynamischen Entwicklung im Öffentlichen Bau, in dem das Bestellvolumen um 23,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro anstieg. Dabei legte auch der Straßenbau mit 727,2 Millionen Euro erheblich zu, was ein Plus von 10,3 Prozent im Vergleich mit 2025 ergab. Im Wirtschaftsbau stellte sich die Lage im Vorjahresvergleich hingegen deutlich schwächer dar. Von Januar bis Juni 2026 gingen hier Aufträge im Wert von 1,6 Milliarden Euro ein, was einem nominalen Rückgang um 6,1 Prozent entsprach. Ausgesprochen unbefriedigend verlief auch die Entwicklung im Wohnungsbau, wo mit einem Auftragswert von 260,4 Millionen Euro das Vorjahresniveau nominal um 16,0 Prozent unterschritten wurde.
Der Gesamterlös des Bauhauptgewerbes belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf knapp 2,9 Milliarden Euro. Daraus resultierte ein nominaler Rückgang von 1,0 Prozent, preisbereinigt von 5,1 Prozent. Wachstumsimpulse fanden sich in keinem Segment. Lediglich der Öffentliche Bau blieb zumindest nominal stabil. Sein Umsatzvolumen erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 999,1 Millionen Euro. Für den Straßenbau ergab sich dabei ein Zuwachs um 1,6 Prozent, sodass der Umsatz auf 430,9 Millionen Euro anstieg. Im Wirtschaftsbau verringerten sich die Einnahmen auf knapp 1,6 Milliarden Euro und lagen damit nominal um 1,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Wohnungsbau kam es zu noch stärkeren Einbußen, da das Ergebnis nominal um 4,3 Prozent auf 276,8 Millionen Euro nachgab.
Sachsen-Anhalt
Auftragseingang wächst im Vorjahresvergleich real
Gesamtumsatz geht real zurück
Zahl der Beschäftigten unter Vorjahresniveau (-1,4 %)
Im Bauhauptgewerbe Sachsen-Anhalts summierte sich der Gesamtauftragseingang im ersten Halbjahr 2026 auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutete dies ein nominales Plus von 13,8 Prozent, das sich preisbereinigt auf 8,1 Prozent reduzierte. Die dynamische Auftragsentwicklung ging vor allem auf deutliche Zuwächse bei der öffentlichen Hand zurück, deren Bestellwert 630,8 Millionen Euro erreichte und damit nominal um 31,7 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Davon profitierte vor allem der Straßenbau, dessen Ordervolumen um 30,1 Prozent auf 357,8 Millionen Euro anstieg. Ein spürbar besseres Resultat als im Vorjahr verbuchte auch der Wirtschaftsbau, da sich die Aufträge hier nominal um 7,4 Prozent auf 836,2 Millionen Euro erhöhten. Im Wohnungsbau verringerte sich die Nachfrage dagegen erheblich. Hier wurde mit einem Auftragseingang von 122,2 Millionen Euro das Vorjahresergebnis nominal um 11,8 Prozent verfehlt.
Die Umsatzerlöse des Bauhauptgewerbes in Sachsen-Anhalt beliefen sich in den ersten sechs Monaten 2026 auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Damit lagen sie nominal um lediglich 1,0 Prozent über dem Ergebnis von 2025, während das Vorjahresergebnis preisbereinigt um 4,7 Prozent unterschritten wurde. Im Öffentlichen Bau verzeichneten die Unternehmen mit einem Volumen von 536,9 Millionen Euro ein positives Ergebnis mit einem nominalen Zuwachs von 7,5 Prozent. Innerhalb dieser Sparte entwickelte sich der Straßenbau überdurchschnittlich, da das Einnahmevolumen hier auf 283,1 Millionen Euro anwuchs und damit nominal um 18,4 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Im Wohnungsbau stiegen die Erlöse mit 115,5 Millionen Euro gegenüber 2025 nominal mit einem Plus von 3,6 Prozent an. Einen relativ deutlichen Rückgang verzeichnete hingegen der Wirtschaftsbau, dessen Umsätze mit 685,1 Millionen Euro den Vergleichswert des Vorjahres nominal um 3,9 Prozent unterschritten.
Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) vertritt die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Potsdam, 25. August 2026
Weitere Informationen unter www.bauindustrie-ost.de
Zum Download: