Digitalisierung in der Bauindustrie
Die Digitalisierung hat das Potenzial, zur Lösung zentraler Herausforderungen der Bauindustrie beizutragen. Dazu zählen die stagnierende Produktivität, eine zunehmende Bürokratiebelastung, der Fachkräftemangel sowie steigende Nachhaltigkeitsanforderungen. Wie sich die Branche in Zukunft entwickeln wird, hängt maßgeblich davon ab, wie diese Herausforderungen bewältigt werden.
In einschlägigen Digitalisierungsvergleichen zählt das Baugewerbe jedoch zu den schwächer digitalisierten Branchengruppen. Dieses Bild steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den Fortschritten auf Unternehmensebene, wie das „Schwarzbuch 2026“ des Bauindustrieverbandes Ost e. V. (BIVO) zeigen wird.
Die Unternehmen der ostdeutschen Bauindustrie nutzen digitale Anwendungen bereits in vielen Bereichen. Insbesondere unternehmensinterne Prozesse sind vielfach digitalisiert. Zudem werden neue Technologien – etwa im Bereich der künstlichen Intelligenz – aktiv erprobt und eingesetzt. Die Unternehmen haben die Digitalisierung in den vergangenen Jahren vorangetrieben und erhebliche Investitionen getätigt.
Dass die Bauindustrie im Branchenvergleich dennoch zurückliegt, hat mehrere Gründe. Ein Grund liegt in der komplexen und arbeitsteiligen Struktur von Bauvorhaben. Das Bauen ist eine vergleichsweise arbeitsintensive Tätigkeit, bei der die Wertschöpfung maßgeblich durch den Einsatz von Fachkräften auf der Baustelle entsteht. Dies erschwert den durchgängigen Einsatz digitaler Technologien stärker als in standardisierten Produktionsprozessen oder reinen Dienstleistungsbranchen.
Hinzu kommt, dass die öffentliche Hand in zentralen Bereichen hinterherhinkt. Die Digitalisierung öffentlicher Verwaltungsleistungen verläuft zu langsam, zu uneinheitlich und zu wenig praxisorientiert. Das Ergebnis ist ein System aus uneinheitlichen Verfahren und Medienbrüchen. In einer stark regulierten Branche mit vielen Schnittstellen zur öffentlichen Hand wirken sich Defizite der Verwaltungsdigitalisierung unmittelbar auf die Umsetzung von Bauvorhaben aus. Solange Verwaltungsleistungen nicht durchgängig und einheitlich digital ausgestaltet sind, können unternehmensinterne Fortschritte ihr volles Potenzial nicht entfalten.
Bund, Länder und Kommunen sind daher aufgefordert, ihre Verfahren zu vereinheitlichen, Medienbrüche abzubauen und digitale Prozesse verbindlich umzusetzen. Gleichzeitig gilt es, Parallelstrukturen zu überwinden und gemeinsame Standards zu etablieren. Ohne diese Grundlage bleiben die Potenziale der Digitalisierung ungenutzt.
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