BIVO-Schwarzbuch: Digitale Wirtschaft trifft auf analoge Verwaltung
Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) legt mit seinem neuen Schwarzbuch Bauwirtschaft 2026 eine Bestandsaufnahme zur Digitalisierung der ostdeutschen Bauindustrie vor. Die Ergebnisse zeigen: Die Unternehmen treiben den digitalen Wandel aktiv voran und investieren erheblich in neue Technologien und digitale Prozesse. An den Schnittstellen zu Behörden und öffentlichen Auftraggebern stoßen diese Fortschritte jedoch immer wieder an Grenzen. BIVO-Präsident Jörg Muschol erklärt:
„Unsere Bauunternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und treiben die Digitalisierung mit erheblichen eigenen Investitionen voran. Rund 85 Prozent der befragten Unternehmen investieren bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes in IT- und Digitalisierungsmaßnahmen. Und 77 Prozent der Unternehmen gewichten die Vorteile der Digitalisierung höher als die damit verbundenen Risiken. Die Bereitschaft für den digitalen Wandel ist also da.
Doch Digitalisierung funktioniert nicht im Alleingang. Wenn ein Unternehmen intern digital arbeitet, der Prozess bei der Behörde aber wieder auf Papier, inkompatiblen Plattformen oder unterschiedlichen Verfahren landet, verpufft ein erheblicher Teil des möglichen Effizienzgewinns.
Besonders bedenklich ist, dass Digitalisierung bislang nicht automatisch zu weniger Bürokratie führt. Über 40 Prozent der befragten Unternehmen berichten sogar von einem gestiegenen bürokratischen Aufwand im Zuge des digitalen Wandels. Das zeigt: Einen komplizierten Prozess einfach auf den Bildschirm zu übertragen, macht ihn noch lange nicht einfacher.
Wir brauchen deshalb einen grundlegenden Kurswechsel bei der Verwaltungsdigitalisierung. Verfahren müssen zuerst vereinfacht und standardisiert und anschließend konsequent digital umgesetzt werden. Es kann nicht sein, dass Länder und Kommunen für vergleichbare Vorgänge eigene Plattformen, Datenformate und Verfahren entwickeln. Gerade für Unternehmen, die über Ländergrenzen hinweg bauen, schafft dieser digitale Flickenteppich neue Bürokratie statt Entlastung.
Die Bauwirtschaft ist bereit für den nächsten Digitalisierungsschritt. Jetzt müssen Politik und Verwaltung nachziehen. Wir brauchen einheitliche Standards, medienbruchfreie Verfahren und rechtssichere digitale Prozessketten – von der Planung und Genehmigung über Vergabe und Bauausführung bis zur Abrechnung und Dokumentation.
Digitalisierung darf nicht bedeuten, analoge Bürokratie digital nachzubauen. Sie muss Prozesse einfacher, schneller und verlässlicher machen. Daran muss sich die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung messen lassen.“
Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) vertritt die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Potsdam, 27. August 2026
Download Schwarzbuch: www.bauindustrie-ost.de/artikel-56/digitalisierung-in-der-bauindustrie
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