Annika Dittrich

Referentin Bildung und Nachhaltigkeit
+49 3317446 141 |

Mit »Herzblut« junge Leute begeistern

Markus Schwarz, Kaufmännischer Regionalleiter Ost, ist schon seit Jahren im Bereich der Nachwuchskräftesicherung tätig. Mit der PORR Spezialtiefbau GmbH ist er hierbei auf vielen regionalen Messen präsent, um junge Menschen für die vielseitigen Ausbildungsberufe im Bau zu begeistern. Mit welchen Strategien man Auszubildende gewinnen kann,welchen Eindruck er von der neuen Generation hat und an welches Messeerlebnis er sich gerne zurückerinnert, konnten wir in einem Interview herausfinden.

Herr Schwarz, nur wenige Unternehmen schaffen es, genügend Nachwuchskräfte für ihr Unternehmen zu akquirieren. Ist der Besuch von Berufs- und Ausbildungsmessen dabei eine erfolgreiche Strategie zur Gewinnung neuer Auszubildender?

Markus Schwarz: Es gibt eine große Differenz zwischen Chemnitz und Berlin. In Chemnitz finden wir gut neue Auszubildende, die dann auch beim Unternehmen bleiben. Vielleicht liegt es daran, dass die jungen Menschen dort bereits einen Hang zum Handwerk haben. In Berlin und auch Brandenburg ist die Ausbeute leider eher gering. Es gibt wahrscheinlich zu viele Konkurrenzberufe.

Was ist in Ihren Augen wichtig, damit der Messebesuch gelingt?

Markus Schwarz: Wichtig ist, dass Mitarbeitende mit Herzblut zur Messe gehen – weil sie es wollen und nicht, weil sie müssen. Dann haben wir festgestellt, dass man sich untereinander nicht zu viel unterhalten sollte. Jugendliche wollen nur ungern ein laufendes Gespräch unterbrechen. Mitmachaktionen wie das Bedienen eines Baggers erzielen auch Aufmerksamkeit.

Und wie sprechen Sie die jungen Leute an? Wie erregen Sie ihre Aufmerksamkeit, wenn sie am Stand vorbeilaufen?

Markus Schwarz: Ich spreche die Leute gerne direkt an und bleibe dabei möglichst authentisch. Obwohl ich sonst ein Schlipsträger bin, versuche ich auf den Messen möglichst locker zu sein. Da ziehe ich maximal meinen lustigen Bauschlips an. Es funktioniert immer gut, wenn man ein Gespräch mit einer Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit führt. Ich sage den Jugendlichen dann auch gerne, wenn ich mich gut mit ihnen unterhalten habe. Feedback ist wichtig.

Sie sind nun schon lange auf Messen tätig und konnten viele Erfahrungen sammeln. Haben sich die Jugendlichen in der Zeit verändert?

Markus Schwarz: Vor vier bis fünf Jahren gab es vorübergehend Veränderungen, weil den Jugendlichen gesagt wurde, dass sie überall angenommen werden. Dann haben sie sich nicht mehr angestrengt. Mittlerweile haben sie aber verstanden, dass sie sich trotz der hohen Nachfrage um einen Ausbildungsplatz bemühen müssen.

Ihnen fällt also kein großer Unterschied zwischen den Generationen bzw. Jahrgängen auf?

Markus Schwarz: Nein, zwischen den Generationen konnte ich keine Unterschiede feststellen. Stattdessen kommt es einfach auf die einzelne Person an. Ich mag mich auch nicht an pauschalen Vorurteilen beteiligen.

Was ist den jungen Leuten bei der Auswahl des Ausbildungsberufs wichtig? Die Bezahlung? Eine gute Work-Life-Balance?

Markus Schwarz: Die Bezeichnung Work-Life-Balance spricht keiner aus, aber es wird durchaus nach den Benefits gefragt. In der Region zu bleiben, ist vielen besonders wichtig. Als bundesweit agierendes Unternehmen haben wir jedoch immer die Möglichkeit, dass man sich auch versetzen lassen könnte. Nach der Bezahlung wird wenig gefragt, allerdings wird häufig angenommen, dass es zu wenig sei. Am Ende sind die meisten überrascht, wenn sie hören, dass es doch recht viel ist.

Gibt es ein Messe-Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Markus Schwarz: Da gibt es sogar zwei Erlebnisse, an die ich gerne zurückdenke. Einmal habe ich eine Schülerin darauf angesprochen, dass sie Industriekauffrau bei uns werden könne und sie war völlig überrascht. Sie hat dann tatsächlich ein paar Schnuppertage im Unternehmen verbracht und wir waren sehr begeistert. Leider hat sie feststellen müssen, dass es nicht ihr Ding ist. Jetzt studiert sie bei der Arbeitsagentur, wir haben aber noch immer ab und zu Kontakt. Das zweite Erlebnis war kurz vor Corona. Eine Familie hat sich über Bauberufe bei mir informiert. Die Mutter war ganz verblüfft, als herauskam, dass ihr Junge im dritten Lehrjahr mehr verdienen würde als sie bei KIK an der Kasse. Der Gesichtsausdruck und ihr Kommentar waren wirklich herrlich. Das werde ich nie vergessen.

Das kann ich mir nur zu gut vorstellen! Wir bedanken uns herzlich für Ihre Bereitschaft zu dem Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Nachwuchsgewinnung.


Zum Download:


Weitere Artikel