Nachwuchsfindung im Fokus
BIVO-Mitglied Erdbau Thalheim GmbH wurde zum Lehrjahresbeginn 2023/24 als „Hervorragender Ausbildungsbetrieb“ von Bau Bildung Sachsen e. V. ausgezeichnet. Mit Geschäftsführer Michael Stopp sprachen wir über die Gründe der Ehrung und die Bedeutung der Ausbildung junger Menschen in Zeiten schwächelnder Baukonjunktur.
Diesen und viele weitere spannende Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2023 der "Bau im Blick".
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Herr Stopp, Glückwunsch zur Auszeichnung als „Hervorragender Ausbildungsbetrieb“! Wie kam es dazu?
Michael Stopp: Fünf Auszubildende sind bei uns in den Bereichen Tiefbau, Rohrleitungsbau sowie Hochbau in das erste Lehrjahr gestartet. Das freut uns sehr. Der Kampf um junge Fachkräfte ist kein leichter.
Wie waren Sie trotzdem erfolgreich?
Michael Stopp: Als mittelständisches Unternehmen bilden wir schon seit 25 Jahren junge Menschen im Erzgebirge aus und stecken viel Herzblut hinein. Ich denke, dass diese Kontinuität der ausschlaggebende Punkt war. Die Auszeichnung macht schon stolz.
Die Firma taucht so in Lebensläufen vieler Erzgebirger auf.
Michael Stopp: Richtig. Wir versuchen, pro Jahr drei bis vier Jugendliche im Bereich der Baugeräteführung, Straßen- und Kanalbau auszubilden. Zudem sind wir Ausbildungsbetrieb der Berufsakademie Sachsen in Glauchau. Duale Studenten beschäftigen wir so auch.
Das klingt nach nachhaltiger Nachwuchsfindung. Wie begeistern Sie die Jugendlichen für die Region und verlieren sie nicht an die Metropolregionen im Umland?
Michael Stopp: Das ist ein wichtiger Punkt. Schon bei der Bewerberauswahl achten wir darauf, dass sie in irgendeiner Weise mit der Region verbunden sind. Es wäre schwer Personen zu binden, die vermeintlich nur einen Betrieb suchen, der nahe an der Berufsakademie in Glauchau sitzt.
... und das klappt?
Michael Stopp: Die vergangenen Jahre geben uns Recht. Wir übernehmen in der Regel die erfolgreichen Absolventen und in der Firmengeschichte gibt es sogar Personen, die ihr gesamtes Berufsleben bei uns waren.
Das ist heute leider nicht mehr die Regel. Wie schaffen Sie es trotzdem?
Michael Stopp: Ja, die Konkurrenz schläft nicht und die Baukonzerne im Umland haben attraktive Konditionen. Aber auch wir bieten, wie ich finde, sehr gute Rahmenbedingungen im Unternehmen. Neben einer Firmenkreditkarte und der Übernahme aller Kosten der Ausbildung, von Büchern über Fortbildungen bis zur Kleidung, gibt es bei uns Weihnachtsfeiern und größere Herbstfeste, wo auch herzlich die Familie eingeladen wird. So zeigt der Opa mit Stolz dem Enkel seinen Arbeitsplatz am Bagger und verbringt eine schöne Zeit, in der Familie und Beruf zusammengebracht werden.
... aha, also Personalsuche im Kitaalter. Ist das das Geheimrezept?
Michael Stopp (lacht): Nein, nein. Das ist nicht der Zweck der Firmenfeier. Bei der Suche nutzen wir andere Wege. Das reicht von Anzeigen auf Social Media bis zu (ebay) Kleinanzeigen. Offline tauchen wir auch in regionalen Zeitungen für Schulabsolventen auf, sprechen mit Eltern und haben uns aufgrund der Präsenz in der Region einen guten Namen gemacht.
Es geht aber auch nicht primär um die Unterschrift unter dem Lehrvertrag. Die Arbeit geht hier erst los. Wir versuchen, die Auszubildenden engmaschig zu betreuen und weisen ihnen auch jeweils einen Polier zu – das Persönliche im Team muss stimmen. Sollten die schulischen Leistungen nicht stimmen, versuchen wir, die Jugendlichen in das Programm der assistierten Ausbildung zu bekommen und das E-Learning-Programm des Ausbildungszentrums zu nutzen. In Zukunft wollen wir noch am Firmenstandort eine kleine Lehrbaustelle aufbauen, damit die Auszubildenden lernen zusammenzuarbeiten und im Team zu bestehen. Das wird mit dem Gesellenbrief in der Tasche entscheidend sein.
In der Presse ist nur noch von einer schlechten Baukonjunktur zu lesen. Beeinträchtigt das Ihr Ausbildungsgeschäft?
Michael Stopp: Es ist richtig, dass es für Investoren schwieriger wird, allein durch die steigenden Bauzinsen. Das merken wir bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sonst vermehrt Aufträge ausschreiben. Wir werden weiterhin ausbilden, um auch dem demografischen Wandel im Betrieb entgegenzuwirken. Wir haben derzeit einen guten Mix aus jungen und älteren Beschäftigten, sodass der Knowhow-Transfer auch auf der Baustelle funktioniert. Das soll und wird auch weiterhin der Fall sein.
Hierzu wünschen wir weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch.
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Weitere Informationen zur Erdbau Thalheim GmbH:
Geschäftsführer:
Dipl.-Ing. (FH) Michael Stopp
Tel.: 037341 485–0
E-Mail: info@erdbau-thalheim.de
Erdbau Thalheim GmbH
Am Sauberg 1
09427 Ehrenfriedersdorf
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