Michael Schmidt

Ressortleiter Technik und Bildung
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Magdeburger Stadthalle

Umfassende Neuordnung von innen und außen

Im Mittelpunkt der Umgestaltung steht die Neuausrichtung des großen Saales. Dieser wird künftig um 180 Grad gedreht, sodass die Bühne auf der Nordseite angeordnet ist. Hier entsteht ein neues Bühnenhaus, das sich in Materialität und Gestaltung an der Entstehungszeit der Stadthalle orientiert. Zuvor wurden spätere An- und Erweiterungsbauten zurückgebaut, um die ursprüngliche Baukörperstruktur wieder deutlicher herauszuarbeiten. Die markante Eingangssituation im Süden bleibt erhalten und wird in ihrer architektonischen Wirkung gestärkt.

Der Saal selbst wird zu einem modernen Mehrzweckraum mit zeitgemäßer Bühnen-, Medien- und Veranstaltungstechnik ausgebaut. Betriebs-, Künstler- und Verwaltungsbereiche werden neu organisiert und funktional angepasst. Zusätzliche Veranstaltungsräume erweitern künftig das Nutzungsspektrum.

Auch die Fassade erfährt eine denkmalgerechte Überarbeitung. Die Klinkerpfeiler und die ursprüngliche Struktur der Glasflächen werden wiederhergestellt, die Wandelgänge erhalten Oberlichter nach historischem Vorbild, die zugleich heutigen Brandschutzanforderungen entsprechen. Charakteristische Lichtbänder werden technisch erneuert, um das prägende Lichtkonzept wieder sichtbar zu machen. Darüber hinaus ist die Rekonstruktion der turmartigen Überhöhungen an den Gebäudeseiten vorgesehen, um die Silhouette näher an den Ursprungszustand heranzuführen.

BUSSE BAU – Komplexe Bauaufgabe zwischen Denkmal, Neubau und Spezialtiefbau

Mit der baulichen Umsetzung des Erweiterten Rohbaus ist BIVO-Mitgliedsunternehmen BUSSE BAU seit September 2021 beauftragt. Die Maßnahme vereint anspruchsvolle Arbeiten im denkmalgeschützten Bestand mit umfangreichen Neubau-, Tiefbau- und Außenanlagenleistungen – eine technisch wie logistisch anspruchsvolle Aufgabe im sensiblen Umfeld des Heinrich-Heine-Platzes.

Zu Beginn stand der konstruktive Rückbau mit vollständiger Entkernung des Gebäudes. Parallel dazu erfolgten umfangreiche Spezialtiefbauarbeiten zur Baugrundverbesserung und Gründung. Insgesamt wurden rund 3.000 Meter Mikropfähle eingebracht sowie etwa 1.700 m³ Hochdruckinjektion (HDI) ausgeführt. Ergänzend kamen zur Baugrubensicherung eine Bohrpfahlwand mit Rückverankerung sowie weitere Verbausysteme zum Einsatz.

Im Zuge der Neuordnung des Großen Saales und des Neubaus des Bühnenhauses realisiert BUSSE BAU umfangreiche Rohbauarbeiten im Bestand und im Neubau. Dabei wurden rund 2.700 m³ Beton im Bestandsgebäude sowie etwa 5.000 m³ im Neubau verarbeitet. Darin enthalten sind rund 7.130 m² Ortbetondecken und 4.900 m² Bodenplatten. Insgesamt wurden etwa 1.200 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Klinkerfassade des Neubaus, die durch ihre historische Formensprache den Dialog zwischen Alt und Neu stärkt. Zudem übernimmt BUSSE BAU den Kanalbau mit rund 1.100 Meter Leitungen (DN 150 bis DN 400) sowie umfangreiche Arbeiten in den Außenanlagen. Dort entstehen 1.100 m² Pflasterklinkerflächen, 2.200 m² Straßenbeton und über 2.000 m² Großpflaster aus Bernburger Kalkstein. Insgesamt werden 17.800 Tonnen Aushub bewegt.

Mit einer aktuellen Netto-Bausumme von rund 15 Mio. Euro leistet BUSSE BAU einen maßgeblichen Beitrag zur Transformation der Stadthalle in ein zukunftsfähiges Veranstaltungszentrum.

Historischer Hintergrund

Die Stadthalle wurde 1927 für die Theaterausstellung innerhalb kurzer Bauzeit als städtisches Veranstaltungs- und Mehrzweckgebäude errichtet. Der expressive Backsteinbau entwickelte sich zu einem zentralen Ort des kulturellen Lebens in Magdeburg. Nach schweren Kriegsschäden erfolgte zwischen 1957 und 1966 der Wiederaufbau. Eine grundlegende Sanierung blieb jedoch bislang aus.

Mit der aktuellen Generalsanierung wird das Baudenkmal nicht nur substantiell ertüchtigt, sondern zugleich funktional neu gedacht – mit dem Anspruch, historische Identität und moderne Veranstaltungsanforderungen dauerhaft miteinander zu verbinden.

Seit Januar 2021 wird die Magdeburger Stadthalle umfassend saniert und modernisiert. Das nach Plänen des Stadtbaurates Johannes Göderitz errichtete Gebäude zählt zu den architektonischen Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Ziel der Maßnahme ist es, das traditionsreiche Veranstaltungshaus technisch und funktional neu auszurichten und zugleich seine denkmalgeschützte Substanz zu bewahren.


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