Digitaler Bauantrag in Sachsen: Richtiger Schritt gegen den Bürokratiestau
Der Bauindustrieverband Ost (BIVO) begrüßt die geplante flächendeckende Einführung des digitalen Bauantrags in Sachsen. Mit der vom Kabinett beschlossenen Änderung der Sächsischen Bauordnung sollen Bauanträge ab Juli 2027 grundsätzlich online eingereicht und bearbeitet werden. Damit zieht Sachsen mit anderen Bundesländern wie Brandenburg gleich und schafft die Grundlage für einheitlichere und effizientere Genehmigungsverfahren. BIVO-Hauptgeschäftsführer Dr. Robert Momberg erklärt:
„Die Entscheidung der sächsischen Staatsregierung ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Wer schneller bauen will, muss auch die Genehmigungsverfahren modernisieren. Dass künftig alle Bauaufsichtsbehörden in Sachsen digitale Bauanträge ermöglichen sollen, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Gleichzeitig darf bei der Digitalisierung kein Flickenteppich unterschiedlicher Verfahren entstehen. Gerade für überregional tätige Bauunternehmen braucht es einheitliche Standards statt Digitalisierung in zwei Geschwindigkeiten.
Unsere Erfahrungen zeigen allerdings, dass die digitale Antragstellung allein noch keine schnelleren Verfahren garantiert. Entscheidend ist, dass auch die anschließende Bearbeitung innerhalb der Verwaltung vollständig digital erfolgt. In den laufenden SPAteN-Expertenrunden der Staatsregierung wurde deutlich, dass die Zufriedenheit mit bestehenden digitalen Anwendungen teilweise noch gering ist. Hier muss Sachsen ansetzen und praxistaugliche Lösungen schaffen, die Unternehmen und Behörden gleichermaßen entlasten.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt auch unser aktuelles Schwarzbuch zur Digitalisierung der Bauindustrie. Während die Unternehmen erheblich in digitale Prozesse investieren, stoßen sie an den Schnittstellen zur öffentlichen Verwaltung weiterhin auf Hindernisse. Über 40 Prozent der befragten Unternehmen berichten sogar von einem gestiegenen bürokratischen Aufwand durch die Digitalisierung. Das zeigt: Ein kompliziertes Verfahren wird nicht automatisch einfacher, nur weil es digital abläuft.
Sachsen hat jetzt die Chance, die Verwaltungsdigitalisierung konsequent voranzubringen. Dafür braucht es medienbruchfreie Prozesse, funktionierende Schnittstellen und eine enge Abstimmung mit der Bauwirtschaft.“
Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) vertritt die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Potsdam, 4. November 2026
Weitere Informationen unter www.bauindustrie-ost.de
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