Treib- und Baustoffversorgung unter Druck: Unsicherheit bei PCK Schwedt verschärft Lage in ostdeutscher Bauwirtschaft
Russlands Stopp der Durchleitung kasachischen Öls setzt die PCK-Raffinerie in Schwedt unter Druck und verschärft die Unsicherheit bei Energie- und Baustoffversorgung. Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) sieht dadurch wachsende Risiken für Preise und Lieferketten. Dazu erklärt BIVO-Hauptgeschäftsführer Dr. Robert Momberg:
„Der Stopp der Durchleitung kasachischen Öls durch Russland hat spürbare Folgen für die Bauwirtschaft in Ostdeutschland. Nach Einschätzung unserer Mitgliedsunternehmen wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen in unserer Region kommen – einem zentralen Baustoff bei der Herstellung von Asphalt für den Straßenbau. Zwar erfolgt die Versorgung nicht ausschließlich über die PCK-Raffinerie in Schwedt, sondern auch über andere Standorte wie Karlsruhe oder Brunsbüttel sowie internationale Lieferketten. Dennoch bleibt Schwedt aufgrund etablierter Strukturen und kurzer Transportwege ein zentraler Baustein – jede Störung wirkt sich unmittelbar auf den Markt aus.
Gleichzeitig verschärft sich die Lage entlang der gesamten Lieferkette deutlich. Unsere Unternehmen berichten von täglichen Mehrkostenanzeigen, aufgekündigten Preisbindungen und zunehmend unsicheren Lieferbedingungen. Verfügbarkeit, Preise und Vertragsgrundlagen sind kaum noch verlässlich kalkulierbar. Parallel dazu ist der Bitumenpreis allein von Februar auf März 2026 um 36,4 Prozent gestiegen – auch infolge der Eskalation im Iran-Konflikt und der angespannten Situation rund um die Straße von Hormus, die für den globalen Öltransport von zentraler Bedeutung ist. Diese Dynamik verschärft die wirtschaftlichen Risiken zusätzlich und kommt faktisch einer Treib- und Baustoffverknappung gleich.
Die zusätzliche Unsicherheit rund um Schwedt wird den Handlungsdruck auf den Bund weiter erhöhen, insbesondere bei der Frage nach praxistauglichen Stoffpreisgleitklauseln – sowohl für laufende als auch für zukünftige Projekte. Unternehmen müssen ihre Angebotspreise anpassen oder Risikoaufschläge einkalkulieren, sofern keine Preisgleitklauseln vereinbart wurden. Das führt zwangsläufig zu steigenden Baukosten und verzögert dringend notwendige Investitionen in Straßenbau und Infrastruktur.“
Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) vertritt die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Potsdam, 24. April 2026
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