Annika Dittrich

Referentin Bildung und Nachhaltigkeit
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Wie zwei Jungunternehmer Auszubildende für Bauberufe begeistern

Lucas Ottiger und Woldemar Buchmüller führen gemeinsam die Tief- und Ingenieurbau GmbH Weischlitz im Vogtland, ein mittelständisches Unternehmen, das sich seit dem 23-jährigen Bestehen in der Region etabliert hat. Die jungen Geschäftsführer engagieren sich stark in der Nachwuchskräfteförderung. Ihr Ziel ist es, jungen Menschen zu zeigen, wie vielseitig und spannend der Bau sein kann. Wir konnten ein Interview mit Lucas Ottiger und Woldemar Buchmüller über ihre Erfahrungen bei der Nachwuchsgewinnung führen.

Viele unserer Bauunternehmen haben Probleme, ausreichend Auszubildende zu finden. Ein Teil der Bewerber kann zudem nicht die Grundlagen nachweisen, die für die Ausbildungsstellen benötigt werden. Müssen Sie mit ähnlichen Herausforderungen umgehen?

Lucas Ottiger: Unser Unternehmen ist sehr ländlich gelegen. Man merkt schon, dass die »Dorfjugend« etwas mehr Interesse für den Bau und das Handwerk dahinter aufbringen kann. Wir sind sehr präsent auf Berufsmessen und besuchen immer wieder Klassen an weiterführenden Schulen, um unser Unternehmen vorzustellen. Dort findet man gute Auszubildende.

Woldemar Buchmüller: Es findet eigentlich immer wieder ein Wechsel statt. In einem Jahr gibt es sehr leistungsstarke Auszubildende, im Jahr darauf mal etwas schwächere.

Lucas Ottiger: Am Anfang war es schon eine große Herausforderung, genügend Auszubildende zu ,finden. Mittlerweile zeigen unsere Kampagnen aber ihre Wirkung. Die Schulbesuche und Ausbildungsmessen »fruchten«, wie man so schön sagt.

Haben die Jugendlichen öfters schon erste Erfahrungen mit den Werkzeugen und Abläufen im Bauhandwerk, wenn sie bei Ihnen die Ausbildung beginnen oder ein Praktikum absolvieren?

Lucas Ottiger: Manche von ihnen haben erste Erfahrungen, ja. Einige haben zu Hause bei Bauprojekten mitgeholfen oder ein Elternteil ist in der Branche tätig. Sie wissen dann auch, was auf sie zukommt, wenn sie bei uns eine Ausbildung beginnen. Wir haben aber auch Interessierte, die noch gar nichts mit dem Bau zu tun hatten. Denen muss man erstmal zeigen, was eigentlich so attraktiv an den Ausbildungsberufen ist und wie eine Baustelle überhaupt funktioniert.

Sie haben bereits erwähnt, dass die Präsenz auf Berufsmessen und der Kontakt zu Schulen sehr vorteilhaft ist. Junge Menschen direkt anzusprechen, scheint gut zu funktionieren.

Woldemar Buchmüller: Ja, das kommt wirklich gut an. Zu den Ausbildungsmessen nehmen wir immer einen Azubi mit, der aus erster Hand von seinen Erfahrungen berichten kann. Das gibt den Schülerinnen und Schülern noch einmal ganz andere Einblicke in die Berufsschule und die Praxis.

Lucas Ottiger: Wir zeigen auch gerne die Geschichte von Herrn Buchmüller. Er hat als Auszubildender im Unternehmen angefangen und ist dann über die Meisterschule zum Bauleiter und später sogar zum Geschäftsführer aufgestiegen. Wir versuchen zu vermitteln, dass es gerade bei unserem kleinen Unternehmen gute Aufstiegsmöglichkeiten gibt – weil man gesehen wird.

Nutzen Sie neben Ausbildungsmessen und der Zusammenarbeit mit Schulen noch andere Kanäle, um Auszubildende zu finden? Greifen Sie viel auf Social Media zurück?

Lucas Ottiger: Wir nutzen größtenteils Instagram, um den Baustellenalltag rüberzubringen. Was wird dort gemacht? Wie sieht eine Baustelle während der Ausführung aus? Wie sieht das Endprodukt aus? Zusätzlich stellen wir uns als Unternehmen vor. Wir haben auch schon direkt über Instagram Auszubildende rekrutieren können, das eigentliche Ziel ist aber, das Unternehmen sichtbar zu machen. Darüber hinaus haben wir seit August 2025 eine Kooperation mit der Oberschule Weischlitz. Alle zwei Wochen kann ein Schüler oder eine Schülerin für einen Tag zu uns ins Unternehmen kommen und die Abläufe kennenlernen. Das wird auch sehr gut angenommen.

Woldemar Buchmüller: Das ist ein gutes Instrument, um im Vorfeld der Ausbildung zu agieren und die jungen Menschen für die Berufe zu begeistern – in der Hoffnung, dass sie dann einen dieser Berufe wirklich erlernen wollen.

Lucas Ottiger: Für uns ist das auch eine Chance, die Schülerinnen und Schüler kennenzulernen. Vor dem Ausbildungsvertrag muss keine Probearbeit mehr durchgeführt werden, weil man schon weiß, wie die
Person arbeitet.

Haben Sie Unterschiede zwischen der jungen Generation und älteren Arbeitern festgestellt?

Lucas Ottiger: Wir merken sehr, dass die Azubis eine Perspektive wollen. Sie wollen wissen, wo es mit ihnen hingehen kann. Das ist bei uns wieder sehr praktisch, da wir ein kleines Unternehmen mit flachen Hierarchien sind. Wir sehen die Auszubildenden regelmäßig, kennen ihre Noten.

Woldemar Buchmüller: Freizeit ist auch ein nicht unerheblicher Punkt. Die Jüngeren sind nicht mehr bereit, jeden Samstag zu arbeiten, wie es bei den Älteren noch der Fall ist. Niemand will mehr auf Montage fahren, sondern lieber an einem Standort bleiben und abends zu Hause sein. Geld steht nicht mehr im Vordergrund.

Spiegelt sich denn die junge Geschäftsführung im Unternehmen wider?

Lucas Ottiger: Tatsächlich ist die Hälfte der Belegschaft unter 35. Das merkt man teilweise schon. Wir haben zum Beispiel vor Kurzem Vermessungstechnik für unsere Baustellen angeschafft. Das ist ähnlich wie die Bedienung eines Tablets oder Handys. Junge Mitarbeiter kommen damit schneller klar.

Woldemar Buchmüller: Bei uns werden immer wieder ältere Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet, aber die jüngere Generation rückt nach. Derzeit haben wir sieben Lehrlinge in verschiedenen Jahren und Ausbildungsberufen. In meinen Augen ist es dabei auch gut gelungen, das Wissen von den Älteren an die Jüngeren weiterzugeben. Allerdings denke ich, dass das nur bedingt wichtig ist. Im Laufe der Zeit ändern sich die Prozesse im Unternehmen. Es gibt neue Technologien, neue Methoden auf den Baustellen. Die neuen Generationen bauen sich ihr eigenes Wissen auf und müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie brauchen freie Hand in der Umsetzung, um sich kreativ ausprobieren zu können. Es funktioniert nicht gut, ihnen irgendetwas aufdrängen zu wollen.

Lucas Ottiger: Die junge Generation bringt einfach frischen Wind mit, kann man sagen.

Das ist ein sehr spannender und vor allem positiver Ausblick für die Zukunft! Gibt es etwas, was Sie sich – vielleicht auch politisch – künftig wünschen, um den Fachkräftebedarf nachhaltig decken zu können?

Lucas Ottiger: Ich denke, dass der Bau schon gut aufgestellt ist. Wir haben ein funktionierendes System mit den überbetrieblichen Ausbildungszentren und der SOKA-BAU. Es wäre aber schön, wenn der Bau noch stärker als attraktiver Beruf dargestellt wird. Oft wird sehr herabwürdigend auf die Bauindustrie geblickt.

Woldemar Buchmüller: Es muss noch mehr Projekte mit Schulen geben. Man muss sich noch breiter aufstellen, damit die neuen Generationen mit einem positiven Bild vom Bau aufwachsen. Das muss in die Köpfe der jungen Leute hinein.

Lucas Ottiger: Wir versuchen, unser Bestes zu geben, dass die Baubranche ein gutes Image bekommt.

So wie es klingt, sind Sie in Ihrem Unternehmen mit dieser Strategie bereits sehr erfolgreich. Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen Ihnen auch in Zukunft viel Erfolg bei der Nachwuchsgewinnung!


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