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Daniel Anger

Referent für Politik und Bildung
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Bildungswege: Syrer findet neue Heimat im Erzgebirge

Waseem Alarjani (27) floh 2015 aus Syrien und fand seine neue Heimat in Deutschland, genauer genommen im Erzgebirge. Wie er nach dem Deutschkurs in der Volkshochschule auf der Baustelle Sächsisch lernte und Trockenbauer in Schneeberg wurde, berichtete er im Interview für die Rubrik Bildungswege in der „Bau im Blick“.

Neben diesem Artikel, finden Sie viele weitere Bauthemen ausführlich behandelt in der neuen Ausgabe der Verbandszeitschrift "Bau im Blick".

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Waseem, in den letzten sechs Jahren hast Du einiges erlebt. Wie geht es Dir heute?

Mir geht es sehr gut. Ich habe meine Ausbildung zum Trockenbauer abgeschlossen und arbeite heute in einem tollen Team hier im Erzgebirge. Kleinere Baustellen durfte ich sogar schon selbst und allein bearbeiten. Ich bin angekommen.

... aber kommen wir noch einmal zurück. Wie bist Du hier gelandet?

Nach der Flucht aus Syrien bin ich über meinen Onkel, der in Leipzig wohnt, nach Sachsen gekommen. Hier habe ich dann 1 ½ Jahre täglich sechs Stunden Deutsch an der Volkshochschule gelernt und das B2-Sprachniveau erreicht – das war wichtig. Um in Deutschland eine gute Zukunft zu haben, ist neben den Sprachkenntnissen eine Berufsausbildung unerlässlich. Im Internet bin ich dann mit meinem Onkel auf die Trockenbau Wäntig GmbH gestoßen und habe mich beworben.

Wie ging es dann weiter?

Ich durfte zum Bewerbungsgespräch kommen, habe zwei Wochen ein Praktikum gemacht und konnte die Kollegen kennenlernen. Ich habe mich gut geschlagen und habe dann einen Ausbildungsvertrag zum Trockenbaumonteur bekommen. Das hat mich sehr gefreut.

Gutes Deutsch, Ausbildungsvertrag in der Tasche. Wie lief dann die Ausbildung im Erzgebirge?

Es war manchmal schwer und ich dachte auch daran die Ausbildung abzubrechen. Ich war der einzige Ausländer auf den Baustellen und musste mich in die Gruppen integrieren. In der Praxis hat man mit vielen Menschen zu tun – nicht nur mit den eigenen Arbeitskollegen, sondern auch mit Elektrikern oder Klempnern anderer Firmen. Das Sächsische habe ich am Anfang nicht verstanden und auch viele Fachbegriffe kannte ich nicht – die lernt man nicht in der Volkshochschule. Aller Anfang ist schwer. Ich habe mich dann durchgebissen und die dreijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Wie war es mit den praktischen Aufgaben? Hattest Du Dir das Arbeiten auf der Baustelle so vorgestellt?

Viele praktische Aufgaben konnte ich schon. Mein Vater in Syrien ist Maurer und ich war als Jugendlicher schon oft auf Baustellen zum Aushelfen. Ich wusste quasi worauf ich mich einlasse.

Warum dann Trockenbau und nicht Hochbau?

Trockenbau ist auch sehr interessant. Viele denken, dass das jeder kann. Das stimmt aber nicht. Gerade die Arbeit mit Schallschutzdecken oder das Aufstellen von Brandschutzwänden mit deren Feuerwiderstandsklassen ist sehr interessant. Die praktische Ausbildung im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum war auch vielfältig. Neben dem reinen Trockenbau habe ich auch für den Straßenbau Pflastern gelernt und Kenntnisse zum Mauern erlangt.

Das klingt spannend und abwechslungsreich. Wie sieht heute, nach abgeschlossener Ausbildung, dein Arbeitsalltag aus?

Ich stehe sehr früh am Morgen auf und fahre zur Firma nach Schneeberg. Wir arbeiten hauptsächlich in Sachsen und machen wenig Montagearbeiten. Derzeit arbeite ich auf einer Baustelle in Chemnitz, an der in wenigen Monaten ein neuer Kindergarten entsteht. Ich durfte auch schon eigene Baustellen selbst betreuen und war dort für einen Auszubildenden verantwortlich. Es gefällt mir, Verantwortung zu übernehmen.

Wie sieht deine Zukunft aus?

Ich will mich noch weiterbilden und mehr Fachwissen aneignen. Ich will im nächsten Jahr meinen Polier und dann meinen Werkpolier machen. Darauf freue ich mich bereits.

Viel Erfolg dabei und besten Dank für das Interview.


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