Bildungswege: Zwei Wege, ein Ziel »Hilfe aus einer Hand am Bau«
Unser Interview im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) Bautzen mit zwei ehemaligen Teilnehmern des Projekts »Hilfe aus einer Hand am Bau« zeigt, wie individuelle Begleitung, soziale Unterstützung und praktische Lernhilfen Jugendlichen den Weg in die Bauwirtschaft ebnen. Adriano und Babou berichten offen über Herausforderungen, Chancen und darüber, wie ihnen das Projekt zum Berufsabschluss verholfen hat.
Diesen und viele weitere spannende Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2025 der "Bau im Blick".
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Hallo ihr beiden. Erzählt mir eure Geschichte. Wie seid ihr zum Bau gekommen?
Adriano: Mein Vater hatte schon auf dem Bau gearbeitet und da dachte ich, was der kann, kann ich schon lange (lacht). Der Weg dahin war aber nicht ganz geradlinig. Die Ausbildung hatte ich erst mit 21 Jahren angefangen. Ich hatte vorab Probleme, mich in die Gesellschaft zu integrieren und eine Suchtproblematik entwickelt, die mich auch ins Gefängnis brachte.
Babou: Ich komme aus Gambia und bin in meiner Jugend nach Europa geflüchtet. Nach Sprachkursen bot mir die Bauwirtschaft eine Chance und ich habe sie ergriffen.
Babou, Deutsch und Deutsch am Bau sind ja nicht immer gleich. Wie schnell konntest du Fachbegriffe lernen? Sicher war auch noch die Schulbildung in deiner Heimat eine andere, oder?
Babou: Am Anfang habe ich wirklich Garnichts verstanden. In Gambia hatte ich wenig Schulbildung, konnte die Rechenaufgaben in der Berufsschule nicht und auch sprachlich habe ich wenig verstanden. Das war eine schwere Zeit.
... und bei dir Adriano, gab es auch Anlaufschwierigkeiten?
Adriano: Ich habe Probleme mich unterzuordnen. In der Ausbildung ist das aber der Standard, sei es in der Zusammenarbeit mit Kollegen auf der Baustelle oder dem Ausbilder hier im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum. Da musste ich mich schon sehr anpassen.
Geklappt hat es ja scheinbar bei euch beiden – Gesellenbrief habt ihr in der Tasche. Welche Rolle hat das Projekt »Hilfe aus einer Hand am Bau« dabei gespielt?
Adriano: Als ich aus der Haft entlassen wurde, bin ich direkt zu einem Betrieb gekommen, der das Projekt kannte und meine Ausbildung darüber hat laufen lassen. Ich hatte eine Chance bekommen und war sehr dankbar hierfür. Die Ausbilder, Sozialpädagogen und Nachhilfelehrer aus dem Projekt haben mich als menschliches Individuum gesehen – meine Vergangenheit war dabei egal. Meine Ausbildung stand im Vordergrund.
Babou: Das kann ich so sagen wie es ist: Die Sozialpädagogin Frau Kretschmar hat mein Leben verändert. Gerade als es am Anfang sehr schwer für mich war, hat sie mich immer wieder motiviert und auch mit den Ämtern Rücksprache gehalten. Ich hatte eine Ausbildungsduldung – ohne Ausbildung hatte ich auch keine Berechtigung in Deutschland zu bleiben. Der Druck war so sehr hoch. Als gute Noten ausblieben und dann auch noch mein Ausbildungsbetrieb Insolvenz angemeldet hatte, brauchte ich wirklich die »Hilfe aus einer Hand«. Wir fanden einen neuen Ausbildungsbetrieb und meine Leistungen wurden auch besser. Ohne die Projektmitarbeiter hätte ich es nicht so weit geschafft.
Jetzt sitzt ihr in eurem alten ÜAZ Bautzen und blickt auf eure Ausbildung zurück und seht in den Hallen die neuen Azubis. Würdet Ihr das Projekt »Hilfe aus einer Hand am Bau« den Lehrlingen und vor allem den Bauunternehmen empfehlen?
Adriano: Definitiv. Die Baufirmen sehen bei der Bewerbung nur unsere Lebensläufe und müssen die Entscheidung für oder gegen einen Jugendlichen treffen, der vielleicht eine Vorgeschichte oder ein Päckchen zu tragen hat. Durch das Projekt bekommen die Unternehmen ja auch eine Unterstützung und wissen, dass sie mit den Lehrlingen nicht allein sind. Unsere vermeintlichen geringen Chancen, eine Ausbildung zu erhalten, steigern sich so ungemein. Ich bin dankbar Teil dieses Projekts gewesen zu sein.
Babou (lacht): Das kann ich nur unterstreichen.
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Weitere Informationen zum Projekt:
Bau Bildung Sachsen e. V.
Projekt Hilfe aus einer Hand am Bau
Ansprechpartnerin
Katja Trochimiuk
Projektkoordinatorin Bildung
T +49 03591 374234
E k.trochimiuk@bau-bildung.de
Zum Download: